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Peter Bolz

Einen Tag vor der Eröffnung der Jugend-Weltmeisterschaft, die in Chuncheon/Südkorea stattfand, führte der Weltverband seine Generalversammlung durch. Deutschland wurde von Gerd Kohlhofer und Andreas Rahn vertreten.

Die diesjährige „General Assembly“ des Weltverbandes war mit den bislang bekannten Mitgliederversammlungen eigentlich nicht vergleichbar. In Chuncheon wurden nämlich nur unglaublich viele PowerPoint-Folien mit Statistiken und Konzepten an die Wand geworfen. Die Delegierten selbst wurden aber weder um ihre Meinung gebeten noch zur Abstimmung aufgefordert.

Dem Vernehmen nach soll eine ganz wichtige Strukturentscheidung bereits beim Council Meeting, das immer vor der Mitgliederversammlung stattfindet, beschlossen worden sein. Dort wurde nämlich beschlossen, dass es bei der World Taekwondo künftig nicht mehr acht Vizepräsidenten geben soll, sondern nur noch vier. Und diese vier Vizepräsidenten müssen jetzt alle gewählt werden.

Was auf den ersten Blick wie eine moderne Verschlankung des Welttaekwondo-Apparates wirkt, entpuppt sich beim näheren Hinsehen als eine taktische Vorbereitung auf die im nächsten Jahr anstehenden Wahlen beim Weltverband. Bislang gehörten die gewählten Präsidenten der fünf kontinentalen Verbände automatisch als Vizepräsidenten dem WT-Präsidium an. Zwei weitere Vize wurden vom Weltverband ernannt. Außerdem wurde die mit den höchsten Stimmen in den Council gewählte Frau automatisch zur Vizepräsidentin ernannt.

Hinter vorgehaltener Hand wurde gemunkelt, dass man in den höchsten koreanischen Kreisen aktiv wurde, nachdem bekannt wurde, dass Athanasios Pragalos, Präsident der Europäischen Taekwondo Union, im nächsten Jahr als Weltpräsident kandidieren will. Für Korea käme es einem nationalen Affront gleich, wenn das Amt des Präsidenten an einen Nicht-Koreaner gehen würde. Mal sehen, ob der Plan der koreanischen Hochpolitik aufgeht.