Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung der Bayerischen Taekwondo Union (BTU) wurde der 59-jährige Reiner Hofer von den 95 angereisten Vertretern aus bayerischen Vereinen mit überwältigender Mehrheit zum neuen BTU-Präsident gewählt. Bereits im Vorfeld war aus den Reihen der Vereine zu hören, dass sie die Querelen in der Präsidiumsspitze langsam satt haben.
Als vor vierzehn Monaten die Herren Walter Schwarz und Markus Reichel wieder in ihre alten Positionen als Präsident und Vizepräsident gewählt wurden, war für die meisten Vereinsvertreter bereits absehbar, dass eine Zusammenarbeit zwischen den beiden niemals die Wahlperiode von vier Jahren überstehen würde. Beide machten aus ihrer gegenseitigen Aversion keinen Hehl. Neun Monate nach der Wahl kam es dann in einer Vorstandssitzung zur offenen Aussprache, die mit einem Misstrauensantrag und der Suspendierung von Markus Reichel endete. Da die Gründe für einen Misstrauensantrag nicht haltbar waren, wurde vom BTU-Präsidium eine außerordentliche Mitgliederversammlung mit Neuwahlen anberaumt.
Durch den Streit auf präsidialer Ebene fühlten sich offensichtlich viele Mitglieder dazu aufgerufen, ihre Kandidatur für ein Amt abzugeben. Mit Ausnahme vom Amt des Schatzmeisters, für das Gerd Kohlhofer mit 83 Stimmen wieder gewählt wurde, standen für jede Position mehrere Kandidaten zur Verfügung.
Zum Beginn seines Rechenschaftsberichts erklärte Walter Schwarz, dass er nicht mehr als Präsident kandidieren wird. Anschließend zog er Bilanz über die acht Jahre, in denen er an der Spitze des bayerischen Verbandes stand. In seiner Rede ging er auch auf die Gründe ein, die letztendlich der Auslöser für die Neuwahl waren. Ohne Umschweife räumte er ein, dass zwischen dem Vizepräsidenten Markus Reichel und ihm die „Chemie“ einfach nicht stimmte. Die ständigen Reibereien führten zur Suspendierung von Markus Reichel, was letztendlich mit einem Gang zum Gericht endete. Unangesprochen blieb die Befürchtung, dass sich die Suspendierung bei einer gerichtlichen Entscheidung als ungerechtfertigt herausstellen würde.
Obwohl für das Amt des Präsidenten anfangs gleich sechs Kandidaten auf der Liste standen, lichtete sich das Feld relativ rasch. Nach dem offiziellen Rücktritt von Walter Schwarz standen am Ende nur die beiden Münchner, Anton Aniol und Reiner Hofer, zur Wahl. In äußerst fairer Form und mit dem gebührenden Respekt für den Gegenkandidaten stellten beide den Vereinsvertretern ihr Konzept für die kommenden vier Jahre vor. Nach der Auszählung der abgegebenen Stimmen war die Überraschung perfekt. Obwohl Reiner Hofer von den meisten eher als Außenseiter gehandelt wurde, hatten 60 Vereinsvertreter seinen Namen auf den Stimmzettel geschrieben und 34 den von Anton Aniol.
Bei der Wahl des Vizepräsidenten Breitensport hatte die bis dahin amtierende Annette Maul gegen Siegmund Lang, einem pensionierten Polizeibeamten, das Nachsehen und musste ihren Stuhl räumen.
Für das Amt des Vizepräsidenten Leistungssport stellte sich Markus Reichel als einziger Kandidat zur Verfügung. Er bekam von 58 Vereinsvertretern das Vertrauen ausgesprochen und übernimmt damit wieder den Aufgabenbereich, den er bereits vor seiner ungerechtfertigten Suspendierung begleitete.
Zur allgemeinen Überraschung hatte auch Heinz Gruber für das Amt des Prüfungswarts mit Dr. Thomas Braun einen Gegenkandidaten. In seinen Ausführungen machte Dr. Braun deutlich, dass er Doppelfunktionen nicht gutheißen kann. Und da Heinz Gruber seiner Meinung nach mit dem Amt als Präsident der DTU ausreichend belastet sei, bat er die Vereine um ihre Stimme. Da seinem Wunsch aber nur 26 Vereine nachkamen, war Heinz Gruber als Prüfungswart der BTU bestätigt.
Während Wilfried Pixner für seine Arbeit als Lehrwart von 84 Vereinen das Vertrauen ausgesprochen bekam, war nach dem offiziellen Rücktritt von Sascha Kählert der Ausgang zur Wahl des Kampfrichter-Obmanns offen. Mit Werner Schuldes, einem Angehörigen der Bundeswehr, und Achim Andratzek, einem Polizeibeamten, standen sich zwei Kandidaten gegenüber, die der Versammlung schlüssige Konzepte vorstellten. Am Ende gaben 56 Vereine ihre Stimme an Werner Schuldes, der in den letzten Jahren bei verschiedenen Turnieren seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt hat.
Für das Amt des Pressereferenten stellte sich neben dem Autor dieses Artikels, übrigens auch ein Polizeibeamter, auch noch Robert Mailhammer zur Verfügung. Mit seiner fachlich vortrefflichen Rede machte der 25-jährige Germanistik-Student deutlich, dass ihm die Öffentlichkeitsarbeit sehr am Herzen liegt. Obwohl er am Ende mit 37 Stimmen das Nachsehen hatte, stellte er spontan seine Mitarbeit für die Zukunft zur Verfügung.
Mit Reiner Hofer wurde von den Vereinen ein Präsident gewählt, der in der Vergangenheit bereits mehrfach bewiesen hat, dass es ihm ein Anliegen ist, die Möglichkeiten des Sports in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Unvergessen ist dabei sein unermüdlicher Einsatz, dass Taekwondo in bayerischen Schulen als Differenzierter Sportunterricht Einzug gehalten hat. Auch die vom BLSV in die Wege geleitete und vom Bayerischen Justizministerium begleitete Feldstudie unter dem Thema „Taekwondo in der Justizvollzugsanstalt“ hat in Fachkreisen für Furore gesorgt. Obwohl die ministerielle Studie längst mit Erfolg abgeschlossen wurde, hält Reiner Hofer – der in acht Monaten in den verdienten Ruhestand tritt – auch heute noch regelmäßig das Training in der JVA Aichach.
Aus den Reihen der Vereine wurde mehrfach der Wunsch geäußert, dass man erst in vier Jahren wieder eine ordentliche Wahl durchführen will. Wenn man sich die Zusammensetzung des neuen Präsidiums der Bayerischen Taekwondo Union anschaut, dann müsste eine harmonische Arbeit eigentlich möglich sein.
Text und Fotos:
Peter Bolz




